Schlaglichter der Personalentwicklung

Der heutige Hessische Rechnungshof blickt auf eine lange Vergangenheit zurück und durchlebte in dieser Zeit unzählige Ereignisse, die ihn langfristig geprägt haben. Die ersten Aufzeichnungen für die Vorläufer des heutigen Rechnungshofs lassen sich bis auf das Jahr 1778 zurückführen. Damals wurden in den sogenannten Hochfürstlich Hessen-Darmstädtischen Staats- und Adresskalendern allgemeine personalbezogene Daten festgehalten.

Jahre 1778 bis 1806

Der Personalbestand, beginnend mit dem Jahr 1778, belief sich auf acht Beschäftigte des Rechnungsdepartements. Dieses war damals noch Teil der Rentkammer unter Leitung eines Kammerpräsidenten.[1] Dieser Bestand flachte über die Jahre auf vier Beschäftigte im Jahr 1806 ab, wobei zwischenzeitlich die Beschäftigtenanzahl auf zwölf Personen anstieg. Dieser starke Einbruch ist auf eine Neustrukturierung des bisherigen Rechnungsdepartements im Rahmen der Reorganisation der Staatsverwaltung zurückzuführen.[2] Über den Zeitraum von 1789 bis 1806 war Reichsfreiherr Franz Ludwig Gottfried von Lehmann Kammerpräsident und somit eine leitende Figur im Wandel vom Rechnungsdepartement zur Oberrechnungsjustifikatur.

Nach Gründung der Oberrechnungsjustifikatur 1803[3] im Rahmen dieser Reform bestanden auf Ebene der gesamten Landgrafschaft in den drei Provinzen Oberfürstentum Hessen (Gießen), Herzogtum Westphalen (Arnsberg), Fürstentum Starkenburg (Darmstadt) Rentkammern, denen Rechnungsjustifikaturen angeschlossen waren. Während auf oberer Ebene der Landgrafschaft vier Personen beschäftigt waren, davon zwei Oberrechnungsräte, variierte das Personal sowohl von der Anzahl als auch von der Ausstattung. Während in der Justifikatur Darmstadt zehn Personen (darunter zwei Räte) arbeiteten, waren es in der Justifikatur Gießen nur fünf Personen mit einem Rechnungsrat. In der Justifikatur Arnsberg waren es ebenfalls fünf Personen. Die Leitung hatte hier lediglich ein Justifikator statt eines Rechnungs- oder Oberrechnungsrats inne. Insgesamt waren nach dem Staatskalender 1805 somit 24 Personen mit der Rechnungsprüfung beschäftigt.

Jahr 1821

Mit Gründung der Rechnungskammer in 1821 wurde die bisherige Oberrechnungsjustifikatur aufgelöst. Gleiches galt für die Rechnungsjustifikaturen beim Oberbau- und Oberforstkolleg und den beiden Hofkammern in Darmstadt bzw. Gießen bzw. die Staats-Calculatur in Mainz.[4] Vor ihrer Auflösung hatten diese Einrichtungen zusammen einen Personalbestand von (mindestens) 39 Personen.[5] Die Verordnung über die Errichtung der Rechnungskammer bestimmte auch den Soll-Personalbestand. Neben einem Direktor und drei rechnungskundigen Räten bestand sie aus 19 weiteren Personen. Die Gründung war damit nicht nur Ergebnis weiterer Reformen auf dem Gebiet des Finanzwesens, sie reduzierte auch das Personal von ehemals 39 auf 23 Personen deutlich.

Die 1819 errichtete Oberrechnungskammer im Großherzogtum Baden beschäftigte 14 Personen.[6] Bei einem Vergleich mit den 23 Personen in Darmstadt sind jedoch zwei organisatorische Faktoren zu berücksichtigen. Hessen-Darmstadt war etwa 40 Prozent sowohl hinsichtlich der damaligen Bevölkerung als auch der Staatsfläche kleiner als Baden. Der größere Personalbestand relativiert sich, wenn berücksichtig wird, dass auf Ebene der Kreise in Baden ebenfalls Rechnungsrevisionen durchgeführt wurden.[7]

Mit Errichtung der Rechnungskammer wurde auch der erste Direktor bzw. später der erste Präsident bestellt. Friedrich Daniel Ludwig übte dieses Amt insgesamt 35 Jahre aus, welche die längste Präsidentschaft der hessischen Finanzkontrolle darstellt.

Jahr 1832

1832 wurde die Aufgabe der Revision der Gemeinderechnungen sowie die Revision der lokalen Kirchen-, Stiftungs- und Schulrechnungen der Rechnungskammer übertragen.[8] Nur für diese Aufgabe weist der Staats- und Adresskalender 1841 insgesamt 22 Personen aus.[9]

Jahre 1841 bis 1912

Die untenstehende Abbildung zeigt den Verlauf der Personalbestände der Großherzoglichen Rechnungskammer und der späteren Oberrechnungskammer im Zeitraum von 1841 bis 1912. Der Begriff Oberrechnungskammer wurde 1852 auf Erlass des Großherzogs eingeführt.[10] Eine Unterscheidung zwischen der Abteilung I und II hat sich im Laufe der Zeit, aufgrund der unterschiedlichen Aufgabenverteilungen, als nützlich erwiesen. Somit war die I. Abteilung der Oberrechnungskammer dem Ressort des Ministeriums der Finanzen zugehörig und die II. Abteilung dem Ministerium des Innern und der Justiz. Zieht man die Abteilung I und II zu einem Vergleich, nimmt die I. Abteilung die Rolle des heutigen Rechnungshofs und die II. Abteilung die der Überörtlichen Prüfung ein. Neben der Abteilung I und II werden zusätzliche Positionen wie die des Präsidenten, der Oberrechnungsräte oder des Sekretariats hinzugezählt.

Personalentwicklung 1. und 2. Abteilung im Zeitraum vom 1841 bis 1912

Zusammengefasst sticht besonders die II. Abteilung hervor, welche über den dargestellten Zeitverlauf ein Wachstum von knapp 100 Prozent aufzeigt.

Jahr 1946

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bekam der Gedanke zum Wiederaufbau eines eigenständigen und unabhängigen Rechnungshofs wieder verstärkte Aufmerksamkeit. So folgten bereits im März 1946, in enger Absprache mit dem damaligen Finanzminister, Dr. Wilhelm Mattes, und dem ersten Präsidenten des heutigen Hessischen Rechnungshofs, Dr. Wilhelm Boll, erste Gespräche bezüglich der Errichtung eines Rechnungshofs für das Land Hessen.

Im April 1946 gewannen die ersten Überlegungen an Form und man setzte sich unter anderem mit personalwirtschaftlichen Themen, wie den Aufbau der Organisation, die Stellenbesetzung und deren Aufgabenverteilung, auseinander.

Mit Blick auf die Stellenbesetzung stellten sich einige Herausforderungen in den Weg. Nach dem ‚Entnazifizierungsprinzip‘ wurde das Ziel verfolgt, möglichst keine Mitarbeitende einzustellen, die in ihrer Vergangenheit eine engere Verbindung zum NS-Regime aufwiesen. Trotz einiger Hürden konnte der Rechnungshof im Juni 1946 errichtet werden und verzeichnete neben Herrn Dr. Boll zwei Frauen und zwei Männer als erste Mitarbeitende des Rechnungshofs. Zu Anfang des Jahres 1947 konnte der Rechnungshof seinen Personalbestand auf insgesamt 30 Personen steigern. Der Planbestand lag bei 65 Personen. Ein Teil der Personalentwicklungsstrategie wurde in einem der ersten Gesetzentwürfe festgehalten. Hier schlug beispielsweise der Rechnungshof im August 1946 selbst folgende Mindestvoraussetzungen für eine Einstellung als Präsident, Direktor oder Referent beim Rechnungshof vor: Mindestalter von 35 Jahren, eine besondere Vorbildung, mindestens 1/3 soll die Befähigung zum Richteramt oder zum höheren Verwaltungs- oder Technischen Dienst haben, Verbot von Nebentätigkeiten.[11] Zeitgleich wurde ebenfalls die kollegiale Beschlussfassung etabliert.

Auf eine Stellenanzeige, u.a. im Darmstädter Echo am 14.08.1946, gingen 1.200 Bewerbungen ein. Davon kamen allerdings nur 30 Personen in Betracht, die die geforderten Voraussetzungen erfüllten. Nach Ansicht von Dr. Boll verbot es die „Wichtigkeit (seines) (…) Auftrags, für einen jungen demokratischen Staat eine oberste Rechnungsprüfungsbehörde zu errichten, (…), mit nach dem Papier als unbelastet anzusehenden Stabsintendanten, Oberstabsintendanten, Oberstfeldmeistern usw. mit 20 bis 30-jähriger aktiven Wehrmachtsdienstzeit in Verhandlung zu treten.“ Ein Bewerber, der sich auf die Anzeige beworben hatte, war Heinz Bayersdorf, der später Mitglied des Rechnungshofs werden sollte.

Stellenanzeige Darmstädter Echo vom 14.08.1946

1950er Jahre bis 2020er Jahre

In Anbetracht des Personalbestandes ist seit der Gründung eine langsam steigende Entwicklung zu erkennen. Dies änderte sich in den 70er Jahren, bei denen der Hessische Rechnungshof einen Personalzuwachs von etwa 45 Prozent bekam. Dies kann auf die erhöhten Anforderungen an die Finanzkontrolle aufgrund der Verabschiedung des ersten Gesetzes für den Hessischen Rechnungshof zurückzuführen sein. Diese Zuwachsrate flachte im folgenden Jahrzehnt wieder ab und hielt bis Anfang der 90er Jahre an.

Entwicklung des Personalbestands

Jahr 1978

Der designierte Präsident des Landesrechnungshofs, Otto Rudolf Pulch, äußerte sich vor seinem Amtsantritt im Juni 1978 zu den Eigenschaften, die die Mitarbeiter nach seiner Auffassung besitzen müssen:

„Fachliches Wissen und Können, absolute persönliche Integrität, Zuverlässigkeit, Verschwiegenheit, Fleiß, Ausdauer, Übersicht, Urteilsfähigkeit, Gedächtnisstärke, Organisations- und Rechtskunde, Kenntnisse auf dem Gebiet der automatisierten Datenverarbeitung und Techniken aller Buchführungssysteme (…), wenn nicht Wirkung, Ruf und Ansehen der Behörde beeinträchtigt werden sollen.“[12]

Jahr 1995

Im Jahr 1995 wurde das Auflösen der sogenannten Vorprüfungsstellen beschlossen. Diese waren bis dahin dem Rechnungshof als nachgeordnete staatliche Rechnungsprüfungsämter angegliedert. Staatsminister Karl Starzacher begründete diese Änderung in der Aufbauorganisation u.a. damit, dass so „Effektivität und Effizienz der Haushalts- und Finanzkontrolle gesteigert“[13] werde. Als Folge dieses Zusammenschlusses kletterte der Personalbestand von 118,5 im Jahr 1995 auf ein Allzeithoch von mit insgesamt 278 Mitarbeitenden im Jahr 1996.

Jahr 2003 bis 2021

Um einer modernen Finanzkontrolle gerecht zu werden, wurden weitere Maßnahmen unter der bewährten zweistufigen Organisationsstruktur diskutiert, die 2003 zu einem neuen Gesetzesentwurf führten. Dieser beinhaltete, dass die drei Rechnungsprüfungsämter zu lediglich einem Prüfungsamt, mit Sitz in Kassel, reduziert wurden. Ziel der Umstrukturierung war es, möglichst viele Synergieeffekte, wie beispielsweise Kosteneinsparungen, mitzunehmen.[14] Mit Blick auf den Verlauf der Personalbestände sorgten diese Umstrukturierungsmaßnahmen für einen leichten Personalrückgang, der sich bis heute auf etwa 250 Mitarbeitende des Hessischen Rechnungshofs, der Überörtlichen Prüfung und des Prüfungsamts eingependelt hat.

Literaturverzeichnis

o.V. (1978): Die Faszination des Rechnungshofs, in: Darmstädter Echo vom 26.05.1978, S. 4.

Rechnungshof Baden-Württemberg: Geschichte der Finanzkontrolle in Baden-Württemberg, Internet: https://www.rechnungshof.baden-wuerttemberg.de/sixcms/media.php/3024/Ges..., Abfrage: 09.06.2021.

[1] Vgl. Hochfürstlich Hessen-Darmstädtischer Staats- und Adreßkalender 1778, S. 29 f.

[2] Vgl. Hochfürstlich Hessen-Darmstädtischer Staats- und Adreßkalender 1804, S. 47 ff.

[3] Vgl. HStAD, Abt. R 1 A, Nr. 20/117.

[4] Vgl. Verordnung über die Errichtung und Organisation einer Rechnungskammer vom 23.06.1821, Reg.-Bl. 1821, S. 309-312.

[5] Vgl. Großherzoglich Hessischer Civil-Etat von den 1819 und 1820. Die Personenanzahl der Staats-Calculatur in Mainz ließ sich auf Basis der vorliegenden Quellenlage nicht ermitteln.

[6] Rechnungshof Baden-Württemberg, S. 4.

[7] Reg.-Bl. Baden 1819, S. 50 ff.

[8] Vgl. Reg.-Bl. 1832, S. 382 ff.

[9] Vgl. Hof- und Staatshandbuch für das Großherzogtum Hessen 1841, S. 307.

[10] Vgl. Bekanntmachung vom 27.08.1852, Reg.-Bl. 1852, S. 357.

[11] HStAD, Abt. O 24, Nr. 99/9, S. 2.

[12] o.V., S. 4.

[13] Vgl. Plenarprotokoll vom 13.12.1995, Drs. 14/22, S. 1135.

[14] Vgl. Drs. 16/685 vom 07.10.2003.