Standort Akaziengarten

Einführung – Der Standort Darmstadt in der Tradition der Rechnungsprüfung

Die Stadt Darmstadt hatte bereits eine lange Tradition als Sitz von Rechnungsprüfungsinstitutionen, bevor der Hessische Rechnungshof dort 1946 seinen Sitz nahm. Erstmals 1779 wird im Hessisch-Darmstädtischen Adreßkalender ein der Rentkammer in Darmstadt angeschlossenes Rechnungsdepartment erwähnt.[1] Im Jahr 1821 bestimmte eine großherzoglich hessische Verordnung: „Die bisherige Oberrechnungs-Justificatur, die Rechnungsjustificaturen, des Oberbaucollegs, des Oberforstcollegs, der beiden Hofkammern und die Staatskalkulatur der Regierung in Mainz sollen sofort aufgelöst und an deren Stelle eine Rechnungskammer in Darmstadt errichtet werden.“[2] Die Behörden aus Gießen und Mainz wurden in Darmstadt zentralisiert.

Als Sitz der Rechnungskammer wird im Jahr 1840 das alte Kollegiengebäude am Luisenplatz 1 angegeben.[3] Im Jahr 1852 erfolgte die Umbenennung in Oberrechnungskammer.[4] Für 1865 wird die „Alte Großherzogliche Kanzlei“ am Luisenplatz 2 als Dienstsitz adressiert.[5] Einige Jahre vor ihrer Auflösung im Jahr 1937 ist die Hermannstraße 47 als Adresse verzeichnet.[6]

Kollegiengebäude in Darmstadt 1870
Kollegiengebäude in Darmstadt 1870

Alles auf Anfang – Der Neubeginn 1946 im Akaziengarten

Die alte Tradition war es schließlich auch, die der erste Präsident des Hessischen Rechnungshofs, Dr. Wilhelm Boll, als einen der Gründe für eine Dienstsitznahme in Darmstadt anführte. Die günstige Verkehrslage Darmstadts, ein Ausgleich für weggefallene Behörden, die Darmstadt als Regierungssitz des früheren Volksstaats Hessen zu verkraften hatte, sollten ebenso in die Entscheidungsfindung miteinbezogen werden wie „das Vorhandensein von einigen im Rechnungsprüfungswesen früher und auch jetzt noch tätigen Beamten in oder in nächster Umgebung von Darmstadt.“ Hinzu kam, dass sich die Außenstelle Metz des Rechnungshofs des Deutschen Reiches kriegsbedingt mittlerweile in Darmstadt befand. Präsident Dr. Boll vertrat in seiner Denkschrift zur Errichtung des Rechnungshofs zudem die Auffassung, dass „die oberste Rechnungsprüfungsbehörde nicht am Sitz der Regierung eingerichtet zu werden braucht, wie dies die Vergangenheit gelehrt hat. (…) Eine Rechnungsprüfungsbehörde gehört nicht in eine ihr artfremde, sondern, wenn möglich, in eine Beamtenstadt. Außerdem muss man an die durch Ausgebombte und Flüchtlinge überall äußerst angespannte Wohnraumlage denken, die es verbieten sollte, Behördenangehörige ohne zwingende Gründe zu verpflanzen. Schließlich ist bei der heutigen Ernährungs- und Beheizungslage eine Trennung der Beamten von ihren Familien auch aus gesundheitlichen und Leistungsgründen nicht ratsam.“ Die Argumente, die Herr Dr. Boll unter anderem in einer Denkschrift vortrug, verfehlten ihre Wirkung nicht. Der damalige Finanzminister Dr. Mattes versprach, dem Kabinett Darmstadt als Sitz der Rechnungsprüfungsbehörde vorzuschlagen. Ursprüngliche Planungen, die Gießen favorisierten, wurden verworfen.[7] So kam es, dass der Großhessische Staatsminister der Finanzen Darmstadt und den Bau E 3 des ehemaligen Standortlazaretts in der Eschollbrücker Straße als Dienstgebäude für den Rechnungshof des Landes Groß-Hessen bestimmte. Die Militärregierung zeigte ebenso ihr Einverständnis für die Einrichtung eines „Prüfungsamts für das Land Groß-Hessen“. Die Notwendigkeit einer zügigen Aufnahme der Finanzkontrolle sah auch das damalige Großhessische Staatministerium der Finanzen und der damalige Finanzminister. Herr Dr. Mattes wünschte, „dass das Gebäude des Rechnungshofs so rasch als möglich besetzt wird; fertigwerdende Räume alsbald möglich besetzt werden, damit endlich den Treibereien des Jugendherbergsverbandes ein Ende gemacht wird.“ Die ersten drei Diensträume waren am 03.06.1946 fertiggestellt.

Der Dienstbetrieb wurde am 24.06.1946 aufgenommen. Zahlreiche Schwierigkeiten standen einem reibungslosen Arbeitsablauf in diesem ersten Nachkriegsjahr jedoch entgegen. Das Dienstgebäude des Rechnungshofs war eines der wenigen in der weiteren Umgebung, welches im Krieg vergleichsweise wenig durch alliierte Bombenangriffe geschädigt wurde. Die Nachkriegsereignisse gingen jedoch auch an diesem Gebäude nicht spurlos vorbei. So berichtet der Rechnungshof im September 1946 an das Finanzministerium, dass das „Dienstgebäude noch Anfang August fast ohne Fenster und Türen und auch sonst stark beschädigt sei.“

In seinem Bericht über den Aufbau und die bisherige Tätigkeit des Rechnungshofs berichtete Herr Dr. Boll Anfang 1947, dass die Räume nicht alle als Diensträume geeignet waren. Sie mussten deshalb aufgeteilt werden und ein besonderer Innenausbau war notwendig. Schwierigkeiten bei der Handwerkersuche und knappe Baumaterialien taten ihr Übriges und ließen die Bauarbeiten nur langsam voranschreiten. Zu Beginn der Kälteperiode 1946/1947 konnte – gerade noch rechtzeitig, jedoch unter großen Mühen – eine neue Zentralheizungsanlage in Betrieb genommen werden. Bis dahin konnten nur drei Räume mit Kanonenöfen beheizt werden. In seiner Rede zum 10-jährigen Bestehen des Rechnungshofs im Jahr 1956 erläuterte Herr Dr. Boll, dass die Gebäude in der Folgezeit weiter instandgesetzt wurden. Die Unterbringung von drei bis vier Bediensteten in verwinkelten Einzelräumen im Dachstock ließe jedoch „zu wünschen übrig und durch die laufende Verstärkung des Personals sei mittlerweile eine erhebliche Raumnot eingetreten. Unsere Bemühungen um anderweite Unterbringung der Behörde und unser wiederholt gestellter Antrag auf Errichtung eines neuen Dienstgebäudes sind bislang ohne Erfolg geblieben. Vielleicht wird die neue Wehrmacht, wenn sie die Hand auf das bundeseigene, ehemalige Lazarettgebäude legen sollte, zum Schrittmacher für unser Anliegen. Begnügen wir uns vorerst mit der derzeitigen Unterbringung und atmen wir weiterhin die frische belebende Parkluft.“

Dreißig Jahre später, im Jahre 1986, wird Darmstadt als Sitz des Hessischen Rechnungshofs erstmals durch das Gesetz über den Hessischen Rechnungshof bestimmt.[8] 35 Jahre nach Verabschiedung dieses Gesetzes und 75 Jahre nach der Bestimmung des ehemaligen Standortlazaretts als Sitz hat er in diesen altehrwürdigen Gebäuden weiterhin seine Heimat und Obdach.

ehemaliges Standortlazarett

Quelle: HStAD Bestand R 4 Nr. 6865/1-4

Der Akaziengarten und seine Umgebung – Adlige Herkunft und „scheppe Bäume“

Die wohl interessantesten Blickpunkte in der unmittelbaren Umgebung des Akaziengartens sind die „scheppen Bäume“ in der durch Landgraf Ernst Ludwig (1667-1739) im Jahr 1715 gleichnamig angelegten Schepp Allee. Die durch Schneiden, Biegen und Drehen schief gezogenen Bäume bildeten große Baumkronen in niedriger Höhe aus und sollten so vor lästigem Staub und Flugsand aus Griesheim schützen.[9]

Das Gebiet, welches als Eschollbrücker Feld zwischen der Eschollbrücker Straße und der Schepp Allee gelegen war, erwarb die Schwiegertochter des Großherzogs Ludwig I., Erbprinzessin Wilhemine, in der Zeit von 1809 bis 1811 für ihren Besitz.[10] 1816 – im Jahr ohne Sommer – vernichteten schwere Unwetter die Ernte und Darmstadt litt Hunger. Als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, im sogenannten „Hungerjahr 1817“, ließ Großherzog Ludwig I. den Akaziengarten anlegen.[11] Alle, die sich an der Erstellung des Gartens beteiligten, konnten mit finanzieller Hilfe rechnen. [12] Als nicht-öffentlicher Garten diente er der großherzoglichen Familie vorzugsweise als Rückzugsort und hatte teilweise gar eine Funktion als Nutzgarten.[13]

Insgesamt verfügt der Garten über eine Fläche von ca. 60.000 qm. Flächenmäßig entspricht dies ungefähr der Größe des Prinz-Emil-Gartens in Darmstadt. Der Boden ist sandig. Akazien mögen dies, weshalb diese Baumsorte für eine Anpflanzung ausgewählt wurde. Die Erhebung am Ostrand des Gartens, der Fliederberg, im Volksmund oft auch als „Hungerberg“ bezeichnet, wurde hingegen mit Flieder bepflanzt und in früheren Zeiten als Aussichtspunkt genutzt. Die Anlage besteht aus acht strahlenförmig, von einem Rondell in der Gartenmitte auslaufenden Wegen: Im Zentrum des Akaziengartens stand zu großherzoglichen Zeiten ein Teehaus.[14] Im Osten der Anlage befand sich noch ein kleines Wasserbassin. Verschiedene Gartenstilrichtungen wurden im Akaziengarten kombiniert, so der französische Gartenstil, der englische Landschaftsgartenstil sowie der anglais-chinois Gartenstil.[15]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwarb das Deutsche Reich das Gelände mit dem Akaziengarten und erbaute darauf in den Jahren 1914/1915 das neue Standortlazarett der Darmstädter Garnison.

Mitte der 1980er Jahre wurde die Gesamtanlage des Akaziengartens einschließlich seiner Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und als Ensemble in die Liste schützenswerter Kulturdenkmäler aufgenommen.

Fast zeitgleich errichtete der Darmstädter Künstler Thomas Duttenhoefer, auf Initiative des damaligen Präsidenten Otto Rudolf Pulch, aus Mitteln des Sonderbaufonds Hessen für 50.000 DM die Bronzeskulptur „Die Begegnung“. Der damalige Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, Günther Metzger, beklagte mit den Worten „Wer geht schon zum Rechnungshof?“, dass sich wohl nur ein kleiner Teil der Öffentlichkeit mit dem Werk auseinandersetzen werde.[16]

Zu Beginn der Nullerjahre gründete sich die Initiative ProAkaziengarten als Reaktion auf die Absicht der Stadt Darmstadt und des Landes Hessen, auf dem Gelände des Akaziengartens die Möglichkeit einzuräumen, 16 Stadtvillen zu errichten. Naturschutz- als auch Denkmalbeirat standen diesem Projekt kritisch gegenüber. Die innerstädtische Nachverdichtung gehörte jedoch zum Programm der damaligen Koalition.[17] Letztlich wurde dieser Plan aufgegeben.

Der Zustand der vielen Bäume des Akaziengartens verschlechtert sich seit 2009 zusehends. Die Ursachen sind nicht eindeutig erkennbar. Ein Absinken des Grundwasserspiegels, auch in Folge von Neubauten in der Nachbarschaft, wird diskutiert. Seit 2018 führen überdurchschnittlich warme Sommer mit unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen zu Stresserscheinungen bei den Bäumen und Sträuchern. Es werden Wasserpatenschaften für Bäume gesucht und das Technische Hilfswerk veranstaltet Übungen, bei denen Bäume auch gewässert werden. Weiterhin werden Fachfirmen mit dem Gießen von Bäumen beauftragt. In der Summe reichen die Bemühungen leider nicht aus, um das Absterben weiterer Bäume und deren Fällung zu verhindern. Auch aufgrund des Sturmtiefs Fabienne mussten seit 2018 ca. 70 Bäume gefällt werden, insgesamt hat sich der Bestand in den letzten 10 Jahren um ca. 200 Bäume reduziert.[18] Ein bestehendes Parkentwicklungskonzept soll nun die Grundlagen für die weitere Entwicklung des Akaziengartens legen.

Die Gebäude im Laufe der Zeit – Vom Garnisonslazarett zum Rechnungshof

Im aufstrebenden Deutschen Kaiserreich des beginnenden 20. Jahrhunderts nahm das Militär eine bedeutsame und respektierte Rolle im öffentlichen Leben ein. Zahlreiche deutsche Städte waren damals Sitz militärischer Institutionen. So war auch Darmstadt eine wachsende Garnisonsstadt. Im Zuge der Heeresverstärkungen in den 1890er Jahren waren in Darmstadt ca. 5.200 Militärangehörige bei einer Einwohnerzahl von ca. 83.100 zu verzeichnen.[19] Mehrere Regimente hatten ihren Sitz in Darmstadt, darunter Garde-Dragoner, Feld-Artillerie und das Großherzoglich Hessische Leibgarde-Infanterie-Regiment. Diese mussten gerade für den Fall eines Krieges angemessen truppenärztlich versorgt werden.

Als Ersatz für das zu kleine und nicht mehr zeitgemäße Lazarett an der Ecke Alexander-/Mühlstraße sollte ein neues Standortlazarett für geplante 1,5 Millionen Reichsmark durch den Militärfiskus des Deutschen Reiches in Darmstadt errichtet werden.[20] Dazu berichtet das Darmstädter Tagblatt sehr ausführlich in einem 1907 erschienenen Artikel. Das Gebäude solle „in seiner Gestaltung jenem Stadtteil zur Zierde gereichen. Etwa ein Fünftel des umfangreichen Geländes, der westliche Teil, bildet den parkartigen Garten, mit einer als Licht- und Luftpark ausgestalteten Abteilung, während auf das östliche Gelände in einem ausgedehnten Hof- und Gartenanlagen umfassenden Viereck die verschiedenen Häuser zu stehen kommen. An der Eschollbrückerstraße bleibt der jetzige kleine Berg nebst Umgebung als einspringende Ecke erhalten und bildet den Garten für die westlich anstoßende Dienstwohnung des Generaloberarztes, eine zweigeschoßige mit der Hauptfront jener Straße zugekehrte Villa. Auf sie folgt westlich das dreigeschoßige Verwaltungsgebäude mit dem Haupteingang, im Erdgeschoß Bureauräume, in den unteren Geschoßen Dienstwohnungen für die Inspektionsbeamten umfassend. Den letzten Teil jener Front längs der Eschollbrückerstraße bildet ein zweigeschossiges Krankenhaus. Als Quertrakt bis zur Scheppen Allee und eingeschossig ausgebildet liegen ein Krankenpavillonbau nebst Liegehallen sowie zwei Isolierbaracken für Ansteckungskrankheiten. Die Front längs der Scheppen Allee wird durch den Pavillon 2 und Krankenblock 2 gebildet. In Letzterem wird sich eine die verschiedenen Bäderarten anwendende Abteilung sowie eine solche für medico-mechanische Behandlung befinden, während natürlich jedes einzelne des ganzen Komplexes noch kleinere Badeeinrichtungen besitzt. Als Ostfront nach den dort vorhandenen Militärmagazinen erhebt sich die Sanitätskaserne mit Wohnungen für Verheiratete und Mannschaftsräumen (dreigeschossig), sowie das Leichenhaus nebst Sektionsraum, Räume für bakteriologische Untersuchungen. Im rechten Winkel hieran längs des einspringenden Gartens der Generaloberarztwohnung erstreckt sich das große Wirtschaftsgebäude mit Küchen (Heizungs- und Beleuchtungszentrale). (…) Die dermaligen Gartenanlagen sind in dem Projekt nach Möglichkeit bewahrt, so dass z.B. das in der Mitte des Akaziengartens befindliche Rondell mit einem Teil der ausstrahlenden Alleen den späteren Innengarten des Gebäudekomplexes bilden wird. An der Eschollbrückerstrasse und der Scheppen Allee sind den Gebäuden Vorgärten vorgelagert. (…) Das Gesamtbild des neuen Garnisonslazaretts wird von schöner Wirkung sein, da die Architektur der Gebäude einfach, aber gefällig gehalten ist und jedes freistehend durch die Gartenumgebung zur Geltung kommt. (…) Den Verwaltungsbau trönt ein von weither sichtbarer Uhrturm. Die Anfahrt der Materialien zum Wirtschaftsgebäude ist von der Scheppen Allee aus vorgesehen. Das Zustandekommen dieses umfangreichen, schönen Projekts würde für unsere Stadt von großem Wert sein und u. a. auch eine Umgestaltung des jetzigen Lazaretts sowie Durchführung des westlich der Stiftstraße bis zur Mühlstraße ermöglichen; es ist deshalb seine baldige Verwirklichung dringend zu wünschen.“[21] Die Inbetriebnahme des Lazaretts erfolgte 1915.[22]

Der Stil erinnert an die traditionelle Architektur des damaligen Darmstädter Stadtbaumeisters August Buxbaum.[23] Jedoch ist der Architekt tatsächlich unbekannt. In seinem „Darmstädter Allerlei“ formulierte Ernst Beck 1920: „Der Architekt hat in sehr geschickter Weise auf die vorhandene Gartenanlage Rücksicht genommen. Die einzelnen schmucken Bauten, die er in den alten Garten stellte, machen einen freundlichen Eindruck.“[24]

Für die Gebäude prägend sind die für die Erbauungszeit typischen, hohen Raummaße von ca. vier Metern. Walmdächer, schwere Eichenholztüren und hängende Türlampen an den Eingängen sowie stilisierte Kreuze in der Fassade sind weitere Charakteristika der denkmalgeschützten Gebäude.[25] Aus der Zeit der Erbauung stammen noch das Mosaik- sowie das Kopfsteinpflaster, die massive Einfriedung und die Laternen.[26]

In der Zeit des Zweiten Weltkrieges war Darmstadt Ziel zahlreicher alliierter Bombenangriffe. Alleine in der sogenannten „Brandnacht“ vom 11. auf den 12.12.1944 warfen alliierte Bomber 286.000 Brandbomben über Darmstadt ab und es waren ca. 11.000 Opfer zu beklagen.[27] Nahezu 80 Prozent der Innenstadt waren zerstört. Das landesgeschichtliche Informationssystem schreibt hierzu: „Setzt man die Intensität der alliierten Bombardements und das Ausmaß der durch sie verursachten Zerstörungen ins Verhältnis zu Größe und Einwohnerzahl der Stadt, war Darmstadt nach Pforzheim (Baden-Württemberg) die am schlimmsten vom Bombenkrieg betroffene deutsche Stadt.“[28]

Hiervon war auch das damals durch die Wehrmacht genutzte Garnisonslazarett betroffen. Die Gebäude E 6 und E 7 waren zerstört, die Dachstühle E 1, E 4, E 5 und E 10 beschädigt.[29] Zahlreiche Instandsetzungs- und Renovierungsmaßnahmen waren nötig, um die Kriegsfolgen zu beseitigen. So wurden die Dächer in den ersten Nachkriegsjahren provisorisch als Flachdacheindeckungen ausgeführt. Die endgültigen Dachstuhlaufbauten waren dann in den 1950er Jahren mit Schiefereindeckungen, zuletzt im Jahr 1978 ausgeführt worden. Nachdem Gebäude kurzfristig durch den Jugendherbergsverband genutzt worden waren, nahm im Jahr 1946 schließlich der Rechnungshof seinen Dienstsitz in Gebäude E 3. Anfang der 1960er Jahre übernahm das Land Hessen die Liegenschaft vom Bund. Die Liegenschaftsstelle des Finanzamts Darmstadts stellte die Verwaltung der Dienstgebäude E 3 und E 4 sicher. 1965 wurde der alte Verbindungsbau von E 3 zu E 4 abgerissen und der noch heute bestehende Verbindungsbau zwischen E 3 und E 4 errichtet. Die anderen Gebäude wurden im Verlauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch zahlreiche weitere Institutionen genutzt.

So hatte die Städtische Ingenieurschule für Maschinenbau und Technik von 1946 bis zum Ende der 1960er Jahre ihren Sitz auf dem Gelände. Das Kreiswehrersatzamt hatte dort ebenso einen Sitz. 1978 bezog das Katasteramt der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg das Gebäude E 1 und verblieb dort bis 2004. Ende der 1970er Jahre übernahm der Rechnungshof die Verwaltung der Gebäude E 3 und E 4 sowie der Garagen und Teilflächen der Außenanlagen.

Seit 1991 verwaltete der Rechnungshof die vollständige Liegenschaft sowie die Parkanlagen mit insgesamt ca. 57.000 qm Fläche. Er übernahm damit auch 24 Mietwohnungen in den weiteren Gebäuden der Liegenschaft mit einer Fläche von rund 2000 qm. 2004 folgte die Übernahme der Verwaltung der Mietwohnungen und des Akaziengarten durch den Landesbetrieb Hessisches Immobilienmanagement.

Als in 2014 ein vier qm großes Stück Putz samt Beleuchtung von der Decke herabbricht, mussten 97 der 206 Büros zur Nutzung gesperrt werden. Es folgt eine Sanierung der Dienstgebäude bis 2016, währenddessen war der Rechnungshof in der Dolivostraße in Darmstadt in einem angemieteten ehemaligen Bürogebäude der Deutschen Telekom untergebracht. Ende 2016 konnte schließlich der Rückumzug in die ursprüngliche Heimstatt erfolgen.

Literaturverzeichnis

Bergsträsser, Ludwig: Befreiung, Besatzung, Neubeginn: Tagebuch des Darmstädter Regierungspräsidenten 1945–1948, herausgegeben von Walter Mühlhausen, München 1987.

Fries, Günter; Heiss, Nikolaus et al.: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen – Stadt Darmstadt, Wiesbaden 1994.

Gruner, Paul-Hermann:, Krumm un schepp gezoche, in: Darmstädter Echo vom 27.12.2010, S. 13.

Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen: Stichwort Luftkrieg, Internet: https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/drec/sn/edb/mode/catchwords/lemm..., Abfrage: 05.05.2021.

Regierungspräsidium Darmstadt: Das Kollegiengebäude in Darmstadt – Ein Mosaikstein in Hessens Geschichte, 12. Auflage, Darmstadt 2017.

Reinhold-Postina, Eva (1986): Im Akaziengarten geht fast niemand spazieren, in: Darmstädter Echo vom 16.08.1986.

o.V. (1985a): Archaisch und der Zukunft zugewandt, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.07.1985, Nr. 183, S. 20.

o.V. (1985b): Bronzepaar allein im Park, in: Darmstädter Echo vom 20.07.1985.

o.V. (1907): Ein neues Garnisonslazarett, in: Darmstädter Tagblatt vom 7.10.1907, Nr. 235, S. 2.

Stadtarchiv Darmstadt: Der Luftkrieg in Deutschland und Darmstadt ab 1940, Internet: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/brandnacht/#s1, Abfrage: 21.05.2021.

Stadtlexikon Darmstadt: Stichwort Garnison, Internet: https://www.darmstadt-stadtlexikon.de/g/garnison.html, Stand 2020, Abfrage: 21.05.2021.

ProAkaziengarten e.V. (Zustand): Zustand des Parks, Internet: https://www.proakaziengarten.de/zustand-des-parks, Stand 2020, Abfrage: 21.05.2021.

ProAkaziengarten e.V. (Bauleitplanverfahren): Bauleitplanverfahren, Internet: https://www.proakaziengarten.de/bauleitplanverfahren, Stand 2020, Abfrage: 05.05.2021.

ProAkaziengarten e.V. (Geschichte): Geschichte, Internet: https://www.proakaziengarten.de/geschichte, Stand 2020, Abfrage: 05.05.2021.

Steingässer, Karl-Heinz: Der Aufbau des Hessischen Rechnungshofs nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in: Wallmann, Walter/Nowak, Karsten et. al. (Hrsg.): Moderne Finanzkontrolle und öffentliche Rechnungslegung., Köln 2013, S. 483–489.

Wembacher, Mascha: Historische Entwicklung und Empfehlungen zur denkmalgerechten Erhaltung und Pflege des Darmstädter Akaziengartens, Master-Thesis 2014.

[1] Steingässer, S. 483.

[2] Verordnung über die Errichtung und Organisation einer Rechnungskammer vom 23.06.1821, Reg.-Bl. 1821, S. 309-312.

[3] Vgl. Regierungspräsidium Darmstadt, S.31.

[4] Vgl. Bekanntmachung vom 27.08.1852, Reg.-Bl. 1852, S. 357.

[5] Vgl. Regierungspräsidium Darmstadt, S.31.

[6] Vgl. Staatshandbuch für den Volksstaat Hessen 1928, S.18.

[7] Bergsträsser, S. 103.

[8] Vgl. GVBl. I 1986, S. 157.

[9] Vgl. Gruner, S. 13.

[10] Vgl. Fries/Heiss, S. 449.

[11] Vgl. Reinhold-Postina und Fries/Heiss, S. 449.

[12] Vgl. Reinhold-Postina.

[13] Vgl. Wembacher.

[14] Vgl. Reinhold-Postina.

[15] Vgl. Wembacher.

[16] Vgl. o.V. (1985a), S. 20 und o.V. (1985b).

[17] Vgl. ProAkaziengarten e.V. (Bauleitplanverfahren).

[18] Vgl. ProAkaziengarten e.V. (Zustand).

[19] Vgl. Stadtlexikon Darmstadt.

[20] Vgl. o.V. (1907), S. 2.

[21] o.V. (1907), S. 3.

[22] Vgl. ProAkaziengarten e.V. (Geschichte).

[23] Vgl. ebenda.

[24] Ebenda.

[25] Vgl. Wembacher.

[26] Vgl. ProAkaziengarten e.V. (Geschichte).

[27] Vgl. Stadtarchiv Darmstadt und Stadtlexikon Darmstadt.

[28] Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen.

[29] Vgl. Wembacher.