Das zweigeteilte Bild zeigt den ersten Präsidenten des Hessischen Rechnungshof und das Historische Rechnungshofgebäude

Hessischer Rechnungshof

Unabhängig und unverzichtbar

Von der klassischen Rechnungsprüfung zum modernen Ratgeber

80 Jahre – das ist nicht nur ein stolzes Jubiläum, sondern vor allem acht Jahrzehnte bewegte hessische Zeitgeschichte. Seit 1946 begleitet der Hessische Rechnungshof den Aufbau des Landes, den Wandel der Verwaltung und die Digitalisierung – immer mit dem Anspruch, dass öffentliche Landesmittel rechtmäßig und wirtschaftlich eingesetzt werden.


Uwe Becker, Präsident des Hessischen Rechnungshofs erklärt anlässlich des Jubiläums: „Seit 80 Jahren sorgen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rechnungshofs für Transparenz bei den hessischen Landesfinanzen. Sie hinterfragen im Dienst unserer Demokratie unermüdlich. Mein Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen, die seit Jahrzehnten neugierig und engagiert für ein zukunftsfähiges Hessen prüfen und geprüft haben.“


Neubeginn in schwierigen Zeiten


Bereits wenige Monate nach Kriegsende wurde 1946 die hessische Finanzkontrolle neu organisiert. Mit lediglich fünf Personen begann der Aufbau einer unabhängigen Finanzkontrolle in Hessen. Die ersten Mitarbeiter mussten aufgrund des Gesetzes über die Befreiung vom Nationalsozialismus und Militarismus von der Militärregierung genehmigt werden. Der erste Rechnungshofpräsident Dr. Wilhelm Boll stand vor dem Problem, dass viele der für die anstehenden Aufgaben in Betracht kommenden Beamten politisch belastet waren. Es gelang ihm dennoch am 24. Juni 1946 mit fünf geeigneten Personen zu starten. Ende des Jahres erhielt der Rechnungshof in Hessen mit Artikel 144 der neuen Hessischen Verfassung seine verfassungsrechtliche Grundlage.


Die unabhängige Finanzkontrolle
 

Während Hessen wirtschaftlich und gesellschaftlich wieder aufgebaut wurde, etablierte sich der Rechnungshof als feste Institution. Die Rolles des Rechnungshofs wurde in seiner Geschichte besonders von den großen Meilensteinen - der Staatshaushaltsordnung, dem Gesetz über den Hessischen Rechnungshof und der Verfassungsänderung - bestimmt.
Die Staatshaushaltsordnung 1949 brachte die lang ersehnte gesetzliche Grundlage für den Rechnungshof im Hinblick auf die Unabhängigkeit als eine oberste Landesbehörde.
In den siebziger Jahren entwickelte sich die Finanzkontrolle zunehmend weiter. 1970 verabschiedete der Landtag das Gesetz über den Hessischen Rechnungshof, dass am 1. Januar 1971 in Kraft trat und aus dem Rechnungshof des Landes Hessen wurde der Hessische Rechnungshof. Mit dem Gesetz trat auch die Staatshaushaltsordnung vom 4. Juli 1949 sowie das Änderungsgesetz vom 4. Juli 1966 außer Kraft.


Einigkeit bestand bei der Verabschiedung 1970 als auch bei der Neufassung 1986 stets beim Thema Unabhängigkeit des Hofs. Anfangs vertrat das Dienstälteste Mitglied den Präsidenten. 1986 kam die Rolle des Vizepräsidenten dazu. Zudem wurde festgelegt, dass der Landtag den Präsidenten als auch den Vizepräsidenten auf Vorschlag der Landesregierung wählt und eine Wiederwahl ausgeschlossen ist. Die Amtszeit wurde auf 12 Jahre begrenzt. Ziel war es eine starke, moderne und unabhängige Finanzkontrolle zu schaffen, was durch die Verfassungsänderung 2018 nochmals gestärkt wurde.
In einem Bürgerentscheid sollte die Hessische Verfassung modernisiert werden. Im Artikel 144 wurde die richterliche Unabhängigkeit der Kollegiumsmitglieder des Rechnungshofs aufgenommen. Zudem darf der Rechnungshof nun neben den Rechnungen über den Haushaltsplan auch die Wirtschaftlichkeit und die Ordnungsmäßigkeit der gesamten Haushalt- und Wirtschaftsführung des Landes prüfen.


Finanzkontrolle im digitalen Zeitalter


Heute versteht sich der Hessische Rechnungshof als Prüfer, Berater und Informationsgeber zugleich. Digitalisierung, Nachhaltigkeit und immer komplexere staatliche Aufgaben prägen die Arbeit. Mehr als 200 Beschäftigte sorgen dafür, dass öffentliche Landesmittel verantwortungsvoll eingesetzt werden. Dazu werden einmal jährlich mit „Hessen 360 – Landesfinanzen transparent im Blick“ die Bemerkungen des Rechnungshofs inklusive der Stellungsnahmen der Landesregierung veröffentlicht.
„Prüfen, beraten und informieren – dieser Dreiklang prägt die Arbeit des Hessischen Rechnungshofs seit Jahrzehnten. Gerade in Zeiten großer finanzieller Herausforderungen bleibt unser Auftrag unverändert aktuell: Wir achten darauf, dass der Staat verantwortungsvoll mit öffentlichen Mitteln umgeht“, betont der Präsident. „80 Jahre nach seiner Gründung ist der Hessische Rechnungshof damit weit mehr als eine Kontrollinstanz. Er schafft Transparenz, gibt Impulse für Verbesserungen und stärkt das Vertrauen in den Staat.“


Weitere Einblicke in die 80-jährige Geschichte des Hessischen Rechnungshofs gibt es künftig wöchentlich auf Instagram Öffnet sich in einem neuen Fensterund LinkedInÖffnet sich in einem neuen Fenster

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